Happy Birthday – Teil 5

Gedanken und Glückwünsche zum Jubiläum von Jörg Emmerich

Lieber Spiel- und Sportverein Heimbach-Weis 1920 e.V., eingetragen im Vereinsregister beim Amtsgericht Montabaur unter der Registernummer VR 10102,

ich habe mir aus der vielfältigen Aufgabenstellung den Teil „Schreibt uns in zwei, drei Sätzen ganz einfach euren ultimativen SSV-Moment der letzten Jahre/Jahrzehnte, oder des letzten Jahrhunderts.“ herausgesucht, wenngleich es mir – vor allem aufgrund des bewegenden und aktiv miterlebten 10ten Jahrzehnts – nicht möglich ist, es dabei zu belassen…

 „Den einen“ ultimativen SSV-Moment kann ich einfach nicht benennen, weil es viel zu viele waren. In Erinnerung bleiben sicher die vielen gewonnen Wettbewerbe und dabei für mich in erster Linie der Engagement-Preis 2016 der Stadtwerke Neuwied und der Fritz-Walter-Preis 2017, die den substantiellen, innovativen, strukturierten und wertebasierten Weg des SSV honoriert haben. 

2016 – Engagementpreis der Stadtwerke Neuwied für herausragende Aktivitäten im Ehrenamt
Fritz-Walter-Preis des DFB in 2017

Dennoch: Die puren, unfassbaren und für den Fußball typischen überschäumenden Emotionen habe ich aber auf dem Sportplatz erlebt… Auch hier gibt es sehr viele Anlässe: Aufstiege mit der D-Jugend, der C-Jugend, der B-Jugend und der A-Jugend, Meisterschaften und Vizemeisterschaften mit „meinen Jungs der Jahrgänge 2000, 2001 und 2002“ gab es zur Genüge.  

Am Ende fallen mir aber vier Momente ein, die Gefühle ausgelöst haben, wie man sie nicht kennt, wenn man nie im Fußball für einen Verein gefiebert hat. Weil ich keine Wertigkeit reinbringen kann und will, habe ich sie einfach chronologisch aufgereiht.

Im Frühjahr 2010 wurde ich vom damaligen Vorstand gebeten, die erste Mannschaft zu übernehmen, die bereits mit anderthalb Beinen in der C-Klasse stand. Nach einer “Aufräumaktion“ in der Mannschaft schafften wir es in der Rückrunde, uns an die Konkurrenten heran zu kämpfen. Wir erhielten uns damit die Möglichkeit, am letzten Spieltag in einem „Endspiel“ den Klassenerhalt aus eigener Kraft und ohne Relegation zu erreichen. Allerdings war diese Aufgabe extrem schwer, denn niemand anderes als der Tabellenführer und spätere Meister DJK St. Katharinen war am 16. Mai 2010 zu Gast am Kieselborn. Lange Zeit führten wir mit einer disziplinierten und klugen Leistung 1:0 und wähnten uns dem Ziel nahe. In der dritten Minute der Nachspielzeit mussten wir dann aber den Ausgleichstreffer nach einer unberechtigten Ecke hinnehmen. Nun benötigten wir im Parallelspiel ein Unentschieden des TuS Asbach II gegen den TuS Rodenbach. Alle Aktiven versammelten sich nach Spielende in der Kabine und warteten auf den Abpfiff und die Nachricht aus dem Westerwald. Martin Reuschenbach hatte dann telefonischen Kontakt nach Asbach, wo wir einen Beobachter stationiert hatten. Zunächst tat er so, als wenn es nicht für uns gereicht hätte. Als er jedoch aufgelegt hatte, rief er laut: 0:0!!!! Das war ein unbeschreiblicher Augenblick von Glück, Emotion, Freude und Stolz. Mit den vorhandenen Möglichkeiten den Klassenerhalt zu schaffen und die Viererkette bzw. das ballorientierte Verteidigen einzuführen, war eine unfassbare Leistung, die mich heute noch stolz macht.

Für mich persönlich ist dieses Spiel die Geburtsstunde des heutigen SSV Heimbach-Weis, denn bei einem Abstieg in die C-Klasse wäre es schwer geworden, die talentierten jungen Spieler und Jugendspieler zu halten. So aber entstand zusammen mit der wachsenden Ausbildungsarbeit ein großer Aufbruch und der heutige SSV, der Verein mit der besten Perspektive im Kreis Neuwied.

Der zweite Moment für die Ewigkeit ist der U13-Kreispokalsieg gegen den haushohen Favoriten Eisbachtaler Sportfreunde II, die damals beste D-Jugend, die es im Rheinland gab. Nur um die Verhältnisse auszudrücken: Vier der Neun Spieler von Eisbachtal haben im weiteren Verlauf ihrer Jugendzeit für das Nachwuchsleistungszentrum eines Bundesligisten die Schuhe geschnürt. Am 22. Juni 2014 lieferten die 2001er und 2002er des SSV aber eine absolute Topleistung ab und schlugen die Eisbären, gegen die man in der Meisterschaft zweimal deutlich verloren hatte, durch zwei Tore von Diego Alessandro Brustolon mit 2:1. Sie krönten eine absolut überragende Pokalsaison, denn auch im Rheinland-Pokal konnten wir bis ins Halbfinale vordringen und verloren dort nur im Elfmeterschießen gegen den späteren Sieger Morbach. Viele Flutlichtspiele am Kieselborn mit dramatischen Spielverläufen sind mir heute noch in Erinnerung. Trainer dieser Mannschaft zu sein, hat mich mit großem Stolz und großer Dankbarkeit erfüllt.

Sensationeller Kreispokalsieg der U13 Junioren am 22.06.2014

Ein unfassbarer Augenblick war für mich auch das Siegtor von Michael Kley in der gefühlt 99sten Minute des Relegationsspiels gegen Niederahr am 14. Juni 2017. Der SSV musste gewinnen und war mit dem 0:0 schon so gut wie abgestiegen. Während Niederahr die ganze zweite Hälfte mit Zeitschinderei verbrachte, versuchten unsere Jungs alles, um das Spiel zu gewinnen, bissen sich aber immer wieder die Zähne aus…

… bis zu dem besagten Freistoß von Michael Kley. Der Moment den der Ball brauchte, um quer über die Torlinie zu rollen und diese am anderen Pfosten zu überqueren, dauerte eine halbe Ewigkeit, aber dann war es ein unglaublicher Glücksmoment. Ich habe mir sagen lassen, dass „Michel“ als kleiner Junge hunderte von Freistößen geübt hat, immer und immer wieder. Spätestens an diesem Tag wurde er dafür belohnt und ist ein tolles Vorbild für viele junge Spieler, die das üben und den Fleiß verlernt haben.

Der letzte „meiner wahnsinnig emotionalen Momente“ war das Relegationsspiel um den Aufstieg in die A-Jugend Bezirksliga mit dem Jahrgang 2000/2001 am 15. Juni 2018 gegen die JSG Windhagen. Auch hier war ein Sieg wegen des schlechteren Torverhältnisses Pflicht, kurz vor Schluss mussten wir aber den Ausgleich hinnehmen. In der Nachspielzeit drang dann Jonas Kreis noch mal in den Strafraum ein und wurde rüde zu Fall gebracht. Der Schiedsrichter zeigte auf den Elfmeterpunkt. Bis zur Ausführung dauerte es jedoch eine sehr lange Zeit, denn ein gegnerischer Spieler lag noch verletzt auf der anderen Hälfte des Platzes. Dann sagt der Schiedsrichter noch den folgenden Satz: „Das ist die letzte Aktion des Spiels. Es gibt auch keinen Nachschuss!“ Ein Elfmeter ohne Nachschuss entschied also über Aufstieg oder Nichtaufstieg. Mein langjähriger Kapitän Jonas Kreis zeigte auch in dieser Situation mal wieder, dass er ein absoluter Siegertyp ist und machte den Ball rein. Danach brachen alle Dämme…

Ich wünsche dem SSV zum 100sten Geburtstag vor allem Nachhaltigkeit und ewiges Leben. Anders als den natürlichen Personen, die irgendwann sterben müssen, ist es einer Körperschaft, respektive einem rechtsfähigen Verein möglich, unendlich „zu bestehen“. Das funktioniert aber nur, wenn seine Organe, also die „Werkzeuge“ die für ihn handeln, funktionieren. Und hier gilt es in aller Demut auch an die Momente des 100jährigen Bestehens zu denken, in denen das aus unterschiedlichsten Gründen nicht der Fall gewesen ist. Ich wünsche dem SSV, dass dies nie wieder der Fall sein wird. Alles Gute zum Geburtstag!

Jörg Emmerich

Jugendleiter