Bastian Schmidt aus der U17 des SSV Heimbach-Weis wechselt zur Spielzeit 2017/2018 zum Bundesliga-Absteiger FC Hennef in die Mittelrheinliga, die mit der Regionalliga im Südwesten zu vergleichen ist und faktisch die 2.höchste Spielklasse darstellt.

Dieses Bild werden wir am Kieselborn vermissen – Basti Schmidt hier zuletzt in der B-Jugend Bezirksliga als sicherer Rückhalt unserer U17

Die Internet-Redaktion des SSV hat sich mit „Basti“ unterhalten.

SSV: Bastian, Du verlässt nach 12 Jahren Deinen Heimatverein, den SSV Heimbach-Weis. Was ist das für ein Gefühl?

BS: Es ist schon ein komisches Gefühl, weil ich dadurch ja auch mein gewohntes Umfeld verlasse. Ich habe über 10 Jahre mit meinen Freunden zusammen Fußball gespielt und diese Zeit endet jetzt. Das fühlt sich auf jeden Fall seltsam an.

Den nächsten sinnvollen Schritt machen, aber dabei die guten „alten“ Kameraden erstmal hinter sich lassen. Das Foto zeigt die D-Jugend aus dem Jahr 2013 – Basti mit rotem Pfeil in der hinteren Reihe im Kreise seiner langjährigen Mitspieler beim SSV.

SSV: Was waren die Gründe für Deinen Wechsel?

BS: Mein Wunsch ist es meine Möglichkeiten auszuschöpfen und zu erfahren, ob ich vielleicht mal professionell Fußball spielen kann. Obwohl die Bedingungen beim SSV super sind, liegt es auf der Hand, dass ich dann irgendwann hier weggehen muss.

SSV: Wieso ist die Entscheidung auf Hennef gefallen?

BS: Ich habe in der vergangenen Saison mit Genehmigung und Unterstützung meines Trainers und SSV-Jugendleiters mehrere Probetrainingseinheiten bei zwei Nachwuchsleistungszentren von Bundesligisten absolviert. Dieser Wechsel hat aus unterschiedlichen Gründen noch nicht funktioniert. Der FC Hennef ist dann die nächste Alternative gewesen, wobei ich im Nachhinein sagen muss, dass dieser etwas kleinere Schritt wahrscheinlich für mich sogar die bessere Gelegenheit ist. Zum einen finde ich in Hennef eine hervorragende Infrastruktur vor: Rasenplatz, zwei Kunstrasenplätze, Kunstrasenhalle usw. Der Trainer ist Ex-Nationalspieler, es gibt – wie auch beim SSV – einen kompetenten Co-Trainer und einen Torwarttrainer. Und trotzdem habe ich mich sofort wohl gefühlt, weil alle sehr freundlich waren und es irgendwie familiär zuging. Das war bei den NLZ schon anders. Da hat man gemerkt, dass man in einem Haifischbecken unterwegs war…

SSV: Was waren es für Gründe, die den Wechsel in ein Nachwuchsleistungszentrum verhinderten?

Bei Bayern München wurde viel Wert auf Einschritt-Technik, Sprungkraft und Abdruck gelegt. Da ist bei mir aufgrund meiner Körpergröße und meines Gewichtes im Verhältnis zu meinem Trainingsalter, aber auch aufgrund der Tatsache, dass wir hier nur auf einem Hartplatz trainieren können noch Potential nach oben. In Bayern wäre ich darüber hinaus Internatsspieler geworden, was für den Verein ja Kosten verursacht. In solchen Fällen muss man schon deutlich besser sein, als die dort bereits vorhandenen Spieler. Das war ehrlicherweise nicht so. Torwarttrainer Uwe Gospodarek hat mir aber gesagt, dass ich weiter beobachtet werde und dass ich mit meiner Größe und den bereits erlernten Techniken meinen Weg machen werde. Vor allem hat er meine Beinarbeit gelobt.

Warum es beim 1. FC Köln nicht geklappt hat, kann ich nicht genau einschätzen. Dort hat man mir lange das Gefühl gegeben, dass es mit einer Verpflichtung klappt und dann auf einmal abgesagt. Wobei die kommunizierten Gründe für Jörg (Emmerich, SSV-U17-Trainer und ehemaliger DFB-Torwarttrainer) nicht nachvollziehbar waren. Aber man weiß ja auch, dass in diesen Spitzenbereichen nicht immer nur die kurzfristigen sportlichen Aspekte eine Rolle spielen.

SSV: Die üblichen Verdächtigen aus dem Rheinland hatten doch sicher auch ihre Fühler nach Dir ausgestreckt? Warum bist Du dem SSV bis heute treu geblieben?

BS: Ja. Eisbachtal, Wirges und Koblenz hatten auch in den vergangenen Jahren wegen eines Wechsels angefragt. Ich bin hiergeblieben, weil ich nicht nur auf die Spielklasse geschaut habe, sondern die kompletten Inhalte hinterfragt hatte. In Heimbach habe ich zum Beispiel mit Heinz Hartmann einen super Torwarttrainer und mein Mannschafttrainer ist auch super. Außerdem haben mir die Beispiele von ehemaligen Mitspielern, die gewechselt sind gezeigt, dass ein solcher Wechsel auch oft anstatt einer Weiterentwicklung einen Rückschritt bedeuten kann.

Ein wesentlicher Faktor in Bastis erstklassige Entwicklung ist sicherlich die SSV-Torhüterschule unter der ausgezeichneten Leitung von Heinz Hartmann gewesen. Viele Jahre bekam er dort den zusätzlichen Schliff um das Quäntchen besser zu werden. Hier eine Aufnahme aus 2011.

SSV: Wie beurteilst Du im Rückblick die Ausbildung und Deine Zeit in Heimbach-Weis? Was hat Dir geholfen, besser zu werden?

BS: Mir hat die Kontinuität geholfen. Wir, also zumindest die 2001er, sind jahrelang von ein und demselben Trainerteam ausgebildet worden. Dadurch hat eins auf das andere aufgebaut, die Spielphilosophie blieb gleich. Man musste nicht ständig irgendetwas anderes machen und hat doch unheimlich viel gelernt. Ich bin ja noch jung und kann mir vielleicht noch kein Urteil darüber erlauben, ob jetzt ein Trainerteam tatsächlich kompetent ist oder nicht. Aber wenn ich beim Stützpunkt oder bei der Rheinlandauswahl war, dann wusste ich meistens mehr, als die Spieler, der sogenannten großen Vereine.

Außerdem hatte ich viele Extra-Einheiten. Die letzten Jahre hatte ich immer 4 bis 5 Trainingseinheiten in der Woche, plus Spiel. Ich hatte gesondertes Torwarttraining und habe in der letzten Saison sogar bei der ersten Mannschaft mittrainieren dürfen. Das hat mir auch noch mal extrem geholfen. Dazu kam die regelmäßige Videoanalyse oder auch Mentaltraining gibt es auch nicht überall.

Bastian Schmidt stehend in der hinteren Reihe im grünen TW-Dress im Kreise der Stützpunktspieler des SSV beim regelmäßigen Fördertraining des DFB – im Jahr 2015.

SSV: Was erwartest Du von Deinem Schritt nach Hennef und welche Probleme siehst Du auf Dich zukommen?

BS: Ich erhoffe mir natürlich durch den Wechsel, dass ich meinem Traum oder meinem Ziel einen Schritt näherkomme. Hennef ist beispielweise Partnerverein von Bayer Leverkusen und auch ansonsten schauen die großen Vereine dort regelmäßig vorbei. Wenn ich meine Leistung bringe und zum Spielen komme, gibt es dort die Möglichkeit gesehen zu werden.

Außerdem ist die Mittelrheinliga mit der hiesigen Regionalliga zu vergleichen, sodass ich mich auch im Hinblick auf die Handlungsschnelligkeit noch einmal verbessern kann.

Als Problem sehe ich natürlich die Vereinbarkeit von Fußball und Schule. Durch meinen Wechsel in die Oberstufe des Wilhelm-Remy-Gymnasiums habe ich unregelmäßigen Unterricht und möglicherweise manchmal 11-Stunden Tage. Dann kann es schon stressig werden. Und eins ist ja klar: Die Schule geht nun mal noch vor. Da ist Disziplin gefragt und halt Verzicht in anderen Dingen.

SSV: Woran musst Du aus Deiner Sicht im Torwartspezifischen und fußballerischen Bereich noch arbeiten, um die obenstehenden Ziele zu erreichen?

BS: Natürlich kann ich in allen Bereichen noch besser werden. Alles andere wäre ja Wahnsinn, denn ich bin erst 16 Jahre alt. Wie oben bereits erwähnt, muss ich auf jeden Fall in Punkto Abdruck noch zulegen, dann kann mein linker Fuß noch besser werden, obwohl der Jörg und der Felix uns damit ja 10 Jahre lang auf die Nerven gegangen sind …J (lacht). Und obwohl ich ziemlich groß bin, habe ich noch Probleme bei der Raumverteidigung, also speziell bei seitlichen Flanken.

SSV: Gibt es die Chance, Bastian Schmidt eines Tages wieder im Trikot des SSV zu sehen?

BS: Das kann man nie sagen. Man muss halt abwarten, wie die nächsten Jahre verlaufen und wie ich mich entwickele. Fakt ist, dass der SSV mein Heimatverein ist und dass hier meine Freunde spielen. Wer weiß, ob ich nicht eines Tages noch mal hier spiele? Auf jeden Fall wünsche ich dem Verein und meinen Freunden alles Gute.

Ich möchte mich in diesem Zusammenhang noch bei allen bedanken, die mir geholfen haben, das zu erreichen, was ich bisher geschafft habe. Dazu gehören meine Eltern, die mich immer unterstützt haben, aber auch alle Trainer, Betreuer und Ehrenamtler hier beim SSV.