Training zusammen und doch getrennt – Neue Wege in Zeiten der Pandemie

Corona bedingt müssen zurzeit bekannter Weise alle Teams auf ein Mannschaftstraining auf dem Feld verzichten. Dieser ungeliebte Umstand fordert somit auch die Kreativität und den Ideenreichtum unserer Übungsleiter, Möglichkeiten zu entwickeln, um mit der Mannschaft in Kontakt zu bleiben bzw. dennoch regelmäßig zu trainieren.

Übungen daheim im Wohnzimmer

Die schlechte Nachricht gleich einmal vorweg: Es gibt keinen Trainingsplan, der ein Mannschaftstraining Spiel-nah abseits des Platzes ersetzen kann. Der Fußballsport ist dafür zu komplex. Es ist nicht möglich, alle Elemente eines Fußballspiels zuhause zu simulieren. Eigentlich auch leicht nachvollziehbar, wenn man bedenkt, dass es für ein Fußballspiel immer einen Gegenspieler und einen Ball benötigt – besser noch 21 andere Spieler, ein Fußballfeld (im Optimalfall) ein paar begeisterte Fans, wie die Kleeblatt-Anhänger 😉

Auch Übungen die zuhause mit dem Ball (z.B. Technikübungen) durchgeführt werden, können den gewünschten Effekt nicht erreichen – können die negative Leistungskurve aber verlangsamen. Die fußballerische Gesamtleistung am Feld wird von zahlreichen Faktoren beeinflusst. Durch klassische Technikübungen kann die Grundtechnik des Spielers zwar erhalten werden, Aspekte wie Spielintelligenz oder Taktik werden jedoch nicht berücksichtigt. Deswegen kann ein Mannschaftraining am Feld durch nichts ersetzt werden.

Körperliche Grundverfassung soll erhalten bleiben

Nun gibt es wie eingangs geschildert jedoch eine Situation, die aktuell sehr schwierige Zeit des Lockdowns, in der kein Mannschaftstraining stattfindet bzw. stattfinden darf. In diesem Fall macht es dann auf jeden Fall Sinn, isolierte Übungen zu trainieren, andere Sportarten auszuüben oder aber an seiner körperlichen „Grund-Verfassung“ zu arbeiten (Krafttraining, Funktionelles Training, Radfahren, Yoga, etc.), um sogenannte Zubringerfähigkeiten, die für die fußballerische Gesamtleistung relevant sind, zu erhalten. Unser U16/U17 Trainer Sebastian Bell, welcher auch beruflich in der Sport- und Gesundheits-Branche tätig ist sagt hierzu: „Wie wichtig körperliche Aktivität in der fußballfreien Zeit ist und wie negativ sich Inaktivität auf den Körper auswirken kann, zeigt die Forschung und die Fachliteratur“. Und weiter ergänzt der Sportwissenschaftler „wichtige physiologische Variablen der Leistungsfähigkeit, als auch die Kraftentwicklung (z.B. der Beinmuskulatur) reduzieren sich laut einiger Studien nach wenigen Wochen deutlich“. Daher ist es als Trainer sinnvoll, sich Gedanken um andere Möglichkeiten zu machen damit man seinen Spielern in der Zeit des „Social Distancing“ ein individuelles oder zumindest alternatives Trainingsprogramm bieten kann“.

U17/16 Chefcoach Sebastian Bell zeigt selber vollen Körpereinsatz und auch digitale Fachkompetenz um seinen Mannen die gute Verfassung zu erhalten

Corona zwingt zu Online-Training

Aufgrund der aktuellen Entwicklungen im Zusammenhang mit dem Corona-Virus können die Sportplätze schon seit November nicht mehr bespielt werden. Aus diesem Grund hat das sogenannte „Online-Training“ beim SSV Einzug erhalten. Beispielhaft hierfür unsere Kicker der U16/U17. Die B-Junioren praktizieren diese Art von gemeinschaftlichem Training auf Distanz bereits seit Wochen und sind dabei über eine Online-Plattform direkt mit ihrem Trainer als auch den Fußball-Kollegen verbunden. Für das Training reicht eine Fläche von ca. zwei mal zwei Meter – einige weitere Utensilien (u.a. Miniband) wurden vorab vom Trainerteam verteilt. Um final mitmachen zu können, benötigen die Spieler dann lediglich ein internetfähiges Endgerät mit einer funktionsfähigen Webcam – sprich einen Laptop, ein Tablet oder ein Smartphone. Das Online-Teamtraining des SSV Heimbach-Weis ist nicht nur beim Trainer ein Renner – auch die Spieler sind begeistert. Allerdings vermisst er den direkten Kontakt zu seinen Jungs in Zeiten der Corona-Krise auch. „Es ist einfach toll, wie das funktioniert“, schwärmt der Coach. Denn dies seien die Momente, „in denen wir die Jungs wiedersehen und der – für ein paar Minuten oder  eine Stunde – vieles Vergessen lässt und ein Gefühl von Trainings-Routine abseits des zur Zeit schwierigen Alltags schafft“, so auch seine Co-Trainer und Betreuer. Neben dem sportlichen Nutzen war die psychologische Komponente einer der ausschlaggebenden Punkte, warum sich für diese moderne Art des Trainings entschieden wurde. Auch wenn das Jahr 2020 nur wenig Gutes mit sich bringt, möchte der Trainer doch auch die positiven Aspekte hervorheben. „Wir alle haben diese technischen Möglichkeiten – also warum Diese nicht nutzen und somit das Beste aus einer sehr speziellen Situation machen“, meint Bell.

Jetzt heißt es erstmal Weihnachtspause

Mittlerweile befinden sich die Spieler jedoch in den wohlverdienten Weihnachtsferien. „Einige Wochen komplette Ruhe sind meiner Meinung sicherlich in Ordnung und werden von den Spielern auch oftmals für die psychische Regeneration benötigt“ – so Bell. Wir erinnern uns, in einer normalen Winterpause können es auch gut und gern einmal 4-6 Wochen der Ruhephase sein. „Mit kompletter Ruhe meint Sebastian Bell aber nicht, dass seine Jungs 24/7 auf der Coach sitzen und Netflix schauen sollen. Die Spieler sollten trotzdem sportlich aktiv bleiben. Jedoch nach Lust und Laune und nicht nach einem vorgegebenen Trainingsplan“, gibt der Trainer und sein Team die weitere Planung in dieser so unplanmäßigen Zeit zu Protokoll. Auch Ihnen sei wichtig, dass alle nun erst einmal schöne erholsame Weihnachtsfeiertage haben sollen, um dann mit viel Elan, Freude und vor allem gesund in ein hoffentlich besseres Jahr 2021 zu starten.

Das alles wünscht das gesamte Team und die Trainer auch allen Mitgliedern und Sportfreunden des SSV!